Hallo zusammen,

der NordCon, die größte unabhängige Rollenspiel-Convention in Deutschland, hat nun endlich auch kleinen Blog bekommen. Und ich, SteamTinkerer, habe die große Ehre, für diesen Blog schreiben zu dürfen.

Einige von Euch kennen mich vielleicht oder haben schon einmal von mir gehört beziehungsweise gelesen, denn ich schreibe in meinem kleinen Blog "SteamTinkerers Kabinett des Wahnsinns" rund um Pen & Paper – Rollenspiele. Zu den Themen gehören Interviews mit Autoren/Spieleentwicklern, Rezensionen, Con- und Spielberichte und vieles mehr.

Als die Jungs und Mädels des NordCons mich fragten, ob ich auch für den NordCon bloggen würde, brauchte ich nicht lange um "Ja" zu sagen. Doch genug von mir, kommen wir zum #NordConBlog. Diesen wollen wir künftig dazu nutzen, um Euch über Themen rund um die größte, unabhängige Convention Deutschlands zu informieren. Mal schauen, was die Zukunft alles so für spannende Themen bringen wird. Es werden hoffentlich so einige sein und ich werde dabei kräftig in die Tasten kloppen. Das könnt ihr mir glauben!

Als ersten Artikel gibt es auch gleich ein Interview mit zwei "Gründervätern" des NordCons: Gordian und Janny. Das ist wirklich großartig und besser könnte der Einstand des #NordConBlogs doch gar nicht sein. Wie dem auch sei, Gordian und Janny haben sich zehn Fragen von mir gestellt und diese nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet.

Aber lest selbst, was die beiden alles zu erzählen haben. Ich wünsche Euch ganz viel Spaß dabei.

Euer SteamTinkerer

Das Gespräch

Frage 1: Moin Gordian, moin Janny, zunächst einmal vielen lieben Dank, dass ihr beide dem Interview zugesagt habt. Mit dem #NordConBlog hat der NordCon jetzt auch einen eigenen Blog und dieses Interview ist der allererste Artikel. Bevor wir mit dem eigentlichen Gespräch beginnen, stellt Euch bitte kurz den Leserinnen und Lesern einmal vor. Wer seid Ihr und was macht Ihr so?

Gordian: Du fragst, wer ich bin, nicht wer ich war, als wir mit dem NordCon begonnen haben... Gut: Ich bin Gordian, Vater einer kleinen Tochter, und beruflich kümmere ich mich um IT-Projekte in der hamburgischen Verwaltung. Ich bin also weiterhin mit Organisieren beschäftigt. Momentan füllt das mein Leben ganz gut aus.

Janny: Mein Name ist Janny und ich verdiene mein Geld als Grafiker und Texter. Das Interesse für bildliche und sprachliche Lösungen intellektueller Probleme hat mich damals auch zum Rollenspiel gebracht, glaube ich zumindest. Das ist ja alles tatsächlich eine Weile her. Der NordCon, der nun auch schon seine 20 Jahre auf dem Buckel hat, ist für mich jedoch noch immer brandaktuell; denn ich bin jedes Jahr bei der Orga dabei.

Gordian: Meine Bindung zum NordCon ist leider schwach geworden. Ich habe nur noch wenig mit den Themen des NordCons zu tun und kümmere mich gerade noch um das Hosting der NordCon-Website. Das ist keine Abneigung, sondern leider der Mangel an Zeit und Gelegenheit. Wobei ich immerhin ein Projekt zum Rollenspiel noch betreue: das Fanzinearchiv. Die Fanzines waren auch das Thema, das Janny und mich zusammengeführt hat.

Janny: Damals gab es ja auch viel mehr Gründe, sich zum Rollenspiel zu treffen. Computer- und Konsolenspiele waren noch einsame Erlebnisräume, dafür waren Bücher weit verbreitet. Und wenn ein neues Buch oder Spielsystem herauskam, musste man es sich schon selbst kaufen oder ausleihen, um sich eine Meinung bilden zu können. Heutzutage "ergoogelt" man sich einfach Erfahrungsberichte in den zahlreichen Blogs. Das waren halt damals die Fanzines, mühsam in klebriger Heimarbeit zusammengeschnittene zweifarbige Meinungsheftchen, die postalisch durch die Republik geschickt wurden und im Rollenspielladen auslagen.

Frage 2: Ihr beide gehört ja zu den sogenannten "Gründervätern" des NordCons. Wer eine Rollenspiel-Convention organisiert, zockt sicherlich selbst Pen & Paper-Rollenspiele, Brettspiele, Trading Cards oder Tabletops. Was zockt ihr denn so?

Gordian: Du sprichst das Problem an. Ich spiele nur noch 1-2 mal im Jahr Pen & Paper-Rollenspiel, meist OneShots. Dann vereinzelt noch Brettspiele, wenn es sich ergibt. Trading Cards und Tabletop haben mich als Spieler nie interessiert. Meine letzte feste Rollenspiel-Runde ist vor zwei Jahren an Zeitmangel stecken geblieben. Das war Game of Thrones. Vorher mal eine Harry Potter-Eigenentwicklung. Ich habe zu selten Zeit für eine feste Runde. Ein fester Wochentermin wäre bei mir nicht drin. Und, Janny, unsere Cthulhu-Runde ist fast so lange her, wie der NordCon alt ist, oder?

Janny: Das kommt so ungefähr hin, es ist aber nicht so, dass wir beide zwischenzeitlich nicht miteinander gespielt hätten. Wir haben ja auch gemeinsam Einiges an Liverollenspiel gemacht. LARP gehört für mich übrigens zum Thema dazu. Das mache ich einigermaßen regelmäßig und bin auf vier oder fünf Veranstaltungen im Jahr unterwegs.

Gordian: LARP hatte ich jetzt ganz vergessen. Mein letztes ist zwar auch zwei Jahre her, aber das und frühere haben wir beide immer mal wieder gerne zusammengespielt. Bei diesem letzten Mal musste ich mittendrin abbrechen, weil meine Tochter geboren wurde. LARP gehört natürlich zum NordCon dazu und ich schätze es ebenso wie die klassische Rollenspielrunde.

Janny: Die klassische wöchentliche Rollenspielrunde ist auch bei mir zeitlich nicht mehr drin, aber mindestens einmal im Monat sitze ich schon noch am Tisch. Derzeit handelt es sich um eine mittelfristig angelegte Warhammer-40k-Runde und natürlich meine geliebte "ewige" DSA-Gruppe, die seit 25 Jahren besteht. Erste Edition, fünf Fähigkeiten, true Aventurien. Zum Abtauchen in fantastische Welten brauche ich Zeit, daher haben mich OneShots nie so interessiert.

Gordian: Du hast schon recht: OneShots bieten nur selten dieses Abtauchen. Wobei das auch von den beteiligten Personen abhängt. Die OneShots bei mir sind gerne simple Spiele wie z. B. Cthulhu, wo ich meist schnell abtauchen kann, oder skurrile bis interessante Systeme wie Fiasko oder InSpectres. Da probiere ich gerne aus und lerne neue Konzepte kennen.

Frage 3: Was hat Euch damals eigentlich dazu bewogen, den NordCon mit auf die Beine zu stellen, wer hatte die zündende Idee dazu und wie groß war das damalige Orga-Team?

Gordian: Der Ursprung waren mehrere Vereine im Norden und deren kleine feine Cons: die 252-Regionalgruppe Ahrensburg, der AKF Kiel und die Hamburger Störtebekers Erben. 1993 fand das letzte Mal das STARD in Hamburg statt und hinterließ eine große Lücke. Das STARD ("Spielertreffen aller Rollenspieler Deutschlands") war bis dahin der größte Con im deutschsprachigen Raum.

Janny: Das letzte STARD war meine erste Convention überhaupt. Was mich begeistert hat, war das viele Unbekannte, das im Kielwasser des Etablierten mitgezogen wurde. Ich war wegen Pen & Paper gekommen, beschäftigte mich aber fast den ganzen Tag mit dem kleinen Grüppchen LARPer im Eingangsbereich. Und als ich ging, hatte ich zwar keine Rollenspielrunde gefunden, war aber einer Briefspielgruppe beigetreten – das ist so was wie Fernschach mit Mehreren bzw. MMORPG ohne Computer. In Ahrensburg hatte sich damals um Christian Fleischer diese Regionalgruppe des Frankfurter Vereins 252 gebildet. Die hatten in Frankfurt einen großen Con, den FRON. Wir bastelten uns einen kleinen Ahrensburger Con; etwas kleiner als der Unicon des AKF in Kiel. Wir besuchten uns gegenseitig auf unseren Cons und übernahmen Ideen und tauschten Aktive aus. Da war damals also viel im Schwange, aber die eigentliche Idee zu einer größeren Angelegenheit kam meiner Erinnerung nach von Gordian.

Gordian: Ich war damals frisch Vorstandsvorsitzender der Störtebekers Erben geworden und war hoch motiviert, aus dem "Erben-Con" eine größere Veranstaltung zu machen. Das gelang 1996 ganz passabel in der Fabrik in Hamburg-Altona. Der Haken: die Erben waren nicht gemeinnützig, was Dinge erschwerte und teuer machte. Und die Zahl an engagierten Mitgliedern war zu gering für ein größeres Event. Noch auf dem Erben-Con kam ich mit Christian Fleischer und Janny eben vom 252 und Claudia Bartels und Frank Lohmann vom AKF ins Gespräch. Wir schmiedeten den Plan für den NordCon.

Janny: Das war damals die ideale Gesprächseröffnung. Wir hatten alle gerade den Erben-Con miterlebt und bereits eigene Orga-Erfahrung, die Ideen sprudelten nur so. Nur wenig später gründeten wir dann die "Loge e.V.", die mit ihrer Gemeinnützigkeit ganz andere Organisationsformen und somit den NordCon ermöglichte.

Frage 4: Hättet Ihr Euch damals erträumt, dass der NordCon die größte, unabhängige Convention Deutschlands werden würde und auch heute noch so viele Besucherinnen und Besucher anzieht?

Gordian: Wir hatten den NordCon damals nicht nur als einen der Lückenfüller für das STARD gesehen, sondern wollten die Lücke wirklich ausfüllen. Es gab Aussagen über die Besucherzahlen zum STARD, die ich jetzt nicht mehr kenne, die uns auf jeden Fall Ansporn waren – ein paar tausend oder so. Erträumt haben wir uns das schon.

Janny: Insofern, als das wir von Anfang an einen Schwerpunkt auf die durchkonzipierte Organisation und eine tragfähige Struktur legten, möchte ich fast sagen, dass wir das geplant hatten. Damit wir möglichst Vielen Vieles bieten konnten, wählten wir ja auch den schwierigen Weg der Neutralität, wofür Unabhängigkeit die Voraussetzung war.

Gordian: Das STARD war ein Verlags-Con, der NordCon unabhängig von Verlagen und Händlern. Vor diesem Hintergrund wären die Vorbilder eigentlich der FeenCon, der DreieichCon oder der schon erwähnte FRON gewesen. Verlags-Cons haben das Geld des Verlags, das Thema des Verlags und gehen mit dem Verlag unter – oder mit dessen Geschäftsausrichtung. Neben STARD ist auch z. B. die ambitionierte Amigo-Convention Geschichte. Als unabhängig und nicht-kommerziell hatte der NordCon einen schweren Start, ist aber beständiger.

Janny: Sobald die Kerngruppe sich vergrößerte, wurde immer knallhart kommuniziert, dass wir keine Veranstaltung für ein bestimmtes System, Genre oder gar Spielprinzip machen wollten, sondern für alles, was mit Phantastik und Spiel zusammenhängt. Obwohl wir alle selbst eigentlich zunächst im Wesentlichen Pen & Paper spielten, planten wir den Platz und die Präsentationsflächen für Tabletops, Workshops, Lesungen, Tradingcards und LARP unter veranstaltungstechnischen Gesichtspunkten, nicht nach persönlicher Präferenz. Ich denke, darauf gründete letztlich die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Aktiven und darauf wiederum der Zuspruch des Publikums.

Gordian: Wenn du von Größe sprichst, dann denkt man an die Besucherzahlen. Die sind ein wichtiger Indikator. Was viele beim STARD damals begeistert hatte, war das immense Rahmenprogramm, also die inhaltliche Größe. Du konntest dort zwei Tage verbringen, ohne ein einziges Spiel zu spielen – nur mit interessanten Workshops, Vorträgen und Shows. Oder du bist auf völlig neue Ideen gestoßen und hast das STARD ganz anders als geplant verbracht – wie es Janny erging. Auch das war Vorbild und Ansporn.

Frage 5: Seid Ihr immer noch in der Orga des NordCons tätig? Wenn nicht, warum habt Ihr die Orga verlassen?

Gordian: Ich bin da tatsächlich raus. Und nicht erst mit meiner Tochter. Schon nach dem dritten Mal wollte ich die Leitung abgeben. Ich wollte, dass der NordCon nicht mehr zu sehr mit mir verbunden ist. Er sollte auf eigenen Beinen stehen. 2000 haben Janny und ich uns die Leitung dann geteilt und überhaupt einen richtigen Orga-Kreis mit ca. zehn Mitgliedern gebildet. Ein wichtiger Grund war bei mir natürlich auch das Studium. Die drei Jahre zuvor hatte ich den NordCon quasi in Eigenregie in Teilzeit organisiert – neben meinem Nebenjob. Viel Zeit zum Studieren hatte ich im Sommersemester also nicht. Am Anfang war die Orga ein bisschen egozentrisch aufgezogen – ich ging davon aus, dass der NordCon erst mal Fahrt aufnehmen und ich so lange bestimmen musste. Ich konnte einfach bestimmen, dass mindestens 50% des Budgets in die Werbung und PR gehen musste. Die anderen ließen mich, weil der NordCon sich erfolgreich entwickelte. Dann aber wollte ich Verantwortung und Arbeit abgeben. Und ich musste das eben auch wegen des Studiums.

Janny: Als Gordian begann, sein Ausscheiden zu thematisieren, war das ein echter Schlag ins Kontor. Ich wollte die Orga nicht übernehmen, da ich inzwischen mit der Programmgestaltung genug um die Ohren hatte und zudem viel zu viele Impulse, die zu Ideen führten, die ich umsetzen wollte. Haupt-Orga ist zwar verantwortungsvoll und gespickt mit spannenden Gesprächspartnern und Makromanagement, aber auch jedes Jahr dasselbe. Wenn nicht gerade beispielsweise ein Umzug des Events ansteht, wird vom Hauptverantwortlichen eigentlich nur erwartet, dass er gewährleistet, dass im Wesentlichen alles so läuft, wie im Vorjahr. Das war mir viel zu langweilig.

Gordian: Da hast Du recht. 2001 habe ich dann noch mal die Orga übernommen. Dieses Mal mit einem engagierten Orga-Kreis, was das ganze wieder ein bisschen neu für mich machte. In dem Jahr hatten wir besondere Unterstützung auch von Jürgen Pirner vom Abenteuermedien Verlag, der auf den NordCon Wolfgang Hohlbein, Bernhard Hennen und weitere bekannte Autoren eingeladen hatte. Für Janny ein Impuls, das Thema Literatur auf dem NordCon aufzubauen.

Janny: Genau solche Impulse meinte ich eben. Bis dahin waren wir ziemlich fokussiert auf Workshops, um Erfahrungsaustausch und Wissensweitergabe zu ermöglichen. Schöner als Rollenspiel ist ja nur, über Rollenspiel zu reden. Eine Lesung ist ja im eigentlichen Sinne eine Frontalbespaßung und somit eher ein gegenteiliges Konzept. Daher lief fantastische Literatur bei uns eher nur so nebenher mit. Obwohl diese Sparte von Anfang an bedient wurde – Christian von Aster war damals auf dem letzten Erben-Con dabei – rückte sie erst zu dieser Zeit, fünf Jahre später, auch organisatorisch in den Fokus. Wäääh, ich rede schon wie ein Eventmanager!

Gordian: 2001 spürte ich, der NordCon steht auf eigenen Beinen bzw. auf den Beinen des Orga-Kreises. Ab 2002 übernahmen andere die Leitung. Ich unterstütze die folgenden Jahre weiterhin, aber immer weniger und bin heute fast raus. Und das ist das Besondere: zwei der drei organisierenden Vereine sind nicht mehr dabei, ich als Initiator bin nicht mehr dabei – und der NordCon lebt weiter und entwickelt sich.

Frage 6: Aufgrund der Tatsache, dass Janny auch heute noch in der NordCon-Orga aktiv ist, Gordian jedoch nicht mehr, werde ich die jetzige Frage ein wenig splitten. In all den Jahren gab es eine Menge Veränderungen beim NordCon, wie zum Beispiel der Umzug in eine andere Location. Wenn Ihr Euch den heutigen NordCon so anschaut, was läuft gut und wo könnte es noch Verbesserungen geben.

Okay Gordian, den Anfang machst am Besten gleich Du. Dann schieß mal los! Ich bin mir sicher, dass die NordCon-Orga immer für Verbesserungsvorschläge offen ist.

Gordian: Hätte ich die super Idee, hätte ich das Carsten oder auch Janny schon gesagt. Die Räumlichkeiten sind in Hamburg ein Problem und der NordCon hat noch Glück gehabt. Sie sind aber nicht ideal. Was mir beim Nordcon gefällt sind die neuen Impulse, die es immer wieder gibt: die Lesebühne, die Zombiekalypse, die Artemis-Raumschiff-Simulation... Was mir fehlt, ist das nächste große Ding und mehr Glamour. Aber was das genau sein soll oder wie sich mehr Glamour finanzieren ließe, weiß ich auch nicht. Die Situation ist heute eine andere: früher waren Cons wichtig, um überhaupt in Kontakt mit anderen Spielern zu kommen und Neuigkeiten zu erfahren. Es gab viele kleine und große Cons und es gab jede Menge Läden. Das läuft heute alles über's Netz. Der NordCon muss sich also auf Dinge konzentrieren, die im Netz nicht möglich sind oder nur mit Einschränkungen.

Und wie sieht Du den Unterschied zwischen NordCon damals und heute, Janny?

Janny: Die Präferenzen des Publikums verändern sich stetig und da ziehen wir notwendigerweise mit. Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir den Boom in der fantastischen Literatur stetig begleitet und das Programm entsprechend angepasst haben. Auch der Schwerpunkt LARP ist mit der Szene gewachsen. Trading Cards hingegen, die Anfang des Jahrtausends noch eine Riesennummer waren, sind inzwischen ziemlich verschwunden. Neben den Inhalten hat sich auch das Organisatorische gewaltig geändert. Grund ist im Wesentlichen die Digitalisierung. Als wir anfingen, hatte noch längst nicht jeder eine E-Mail-Adresse und wir haben jedes Jahr über tausend Einladungen per Brief verschickt. Ich selbst war nur einmal die Woche per Mail erreichbar, wenn ich es ins Rechenzentrum der Uni schaffte. Vieles lief telefonisch, allerdings hatte auch längst nicht jeder ein Handy :-) Da sprach man mit einem Frankfurter oder einer Nürnbergerin Ende Februar telefonisch ab, wann die wie wo mit wieviel Leuten was präsentieren sollten, und fünf Monate später klappte das alles genau so, wie besprochen. Heute hast Du mit manchen über Monate dreimal die Woche Mailkontakt und am Stichtag permanenten SMS-Austausch und trotzdem läuft dann vor Ort plötzlich alles anders, als abgemacht.

Frage 7: Dieses Interview ist der erste Artikel des #NordConBlogs. Was würdet Ihr beide euch denn künftig für Themen in dem Blog wünschen? Habt Ihr da vielleicht ein paar bestimmte Vorstellungen? Da ich unter anderem für den #NordConBlog schreibe, interessieren mich Eure Vorschläge brennend. Also nicht zögern.

Gordian: Das Thema "neue Impulse" für den NordCon und im Bereich Fantasy und Spiele finde ich wichtig. Das Blog könnte so den Geist des NordCons über das Jahr tragen. Wie bindest du eine Community? Nicht indem der NordCon breitgetreten wird, sondern die Themen des NordCons behandelt werden. Wie mache ich den NordCon zu einer Plattform, die der Community dieses Mehr bietet, das es im Netz alleine nicht gibt. Ist für das Blog natürlich nicht zu bewältigen, da es ja selber Teil des Netzes ist. Aber das Blog kann genau dies thematisieren. Aber ich glaube, damit erzähle ich dir nichts Neues.

Janny: Heißt es tatsächlich "Das" Blog? Nicht "Der" Blog? Da fällt mir ein: Es wäre mir eine große Freude, wenn Du im Blog oft und deutlich "Der" NordCon schreiben könntest. Nein, im Ernst ... wie Gordian schon sagte, ermöglicht der NordCon einen Rahmen, in dem sich Kleinteiliges und Spezielleres anlagern kann und soll. Das würde mir auch im Blog gefallen. Nicht das Fokussieren auf ein RSP-System oder eine Tabletop-Variante, Rezis, Let's play oder so, das gibt es, wie ich meine, schon zu Hauf. Für einen NordCon-Blog wäre es interessant, zu versuchen, die großen Bewegungen abzubilden. Was passiert in der einen oder anderen Community? Wohin entwickelt sich dieses oder jenes Genre? Das würde mich als NordCon-Blog-Leser interessieren.

Gordian: Besser könnte ich es nicht sagen. Ich glaube übrigens, dass „der“ und „das“ Blog erlaubt ist. Ich schau ja immer auf den Ursprungsbegriff: Das Logbuch und der Konvent. Andere sehen die Konvention als Ursprung, aber das ist für mich nur klanglich verwandt mit Convention. Daher sollte es auch immer „der“ NordCon heißen. Nur die Journalisten tun sich damit schwer. Eine Kleinigkeit, die mir immer wichtig war.

Frage 8: Der NordCon wird von „Die Loge e. V.“ und dem „RSCT 94 e. V.“ veranstaltet. Seid Ihr Mitglied in einem dieser Vereine? Wenn ja, wie lange schon?

Gordian: Ich war 1996 Gründungsmitglied, von "Die Loge e.  V.". Und ich war damals Mitglied der Störtebekers Erben. Als ich mich aus der Organisation des NordCons zurückzog und das Thema Fanzine aufgab, verließ ich auch irgendwann beide Vereine. Ich war in meiner Vereinstätigkeit mehr Organisator denn Spieler.

Janny: Ich war ebenfalls Gründungsmitglied der Loge und bin immer noch Mitglied.

Frage 9: Alles klärchen, dann geht es auch schon weiter. Würdet ihr noch einmal eine Convention mitbegründen und organisieren, wenn Ihr die Gelegenheit dazu hättet?

Gordian: Tja, was ist "eine Gelegenheit"? Wenn ich ein oder mehrere Jahre ein bezahltes Sabbatical hätte? Im Ernst: Ich sehe die Gelegenheit nicht. Und selbst dann wäre es eine Wiederholung des bisherigen. Nein, der NordCon ist etwas Besonderes. So was kann ich nicht noch mal machen. Schon weil ich heute nicht mehr richtig die Frage beantworten kann, wozu es Cons gibt.

Janny: Mit dem "Ahrensburger Rollenspieltreffen", der "Nacht" und dem NordCon war ich an der Begründung dreier sehr unterschiedlicher Conventions beteiligt und denke, das genügt für ein Nerd-Leben. Hin und wieder beteilige ich mich allerdings an der Orga verschiedener Events mit Rollenspielbezug. Aber eine regelmäßige, sich wiederholende Verpflichtung gehe ich in diesem Themenfeld nicht mehr ein.

Frage 10: Und da ist sie schon, die zehnte und letzte Frage. Wo seht Ihr den NordCon in zehn Jahren?

Gordian: Das hängt von den vorhin erwähnten Impulsen ab. Der NordCon könnte auf der Stelle treten. Das wäre nicht schlecht, da sich der NordCon an einer guten Stelle befindet. Oder er entwickelt sich durch neue Impulse weiter. Dann ist alles möglich.

Janny: Genau! Ich gehe davon aus, dass die Orga auch 2027 noch den grundsätzlichen angesprochenen Prinzipien folgt und der NordCon dereinst auch für Hoverboard-Racer und Cyper-Dicer alles bietet, was Rollenspieler und Freunde der Phantastik sich wünschen.

Geschafft! Ja richtig, wir sind fertig und Ihr habt euch wahrlich wacker geschlagen.

Abschluss

Lieber Gordian, lieber Janny, noch einmal vielen lieben Dank, dass Ihr für das Interview zur Verfügung standet. Ich hoffe doch, dass wir uns früher oder später auf dem NordCon über den Weg laufen werden. Außerdem würde ich mich freuen, wenn Ihr immer mal wieder beim #NordConBlog vorbeischauen würdet.

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